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    Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie

    Carl Friedrich Wilhelm Ludwig

    Carl Ludwig (1816-1895)

    Als der Physiologe Carl Friedrich Wilhelm Ludwig (1816-1895) im Herbst 1846 in Marburg das Kymographion erfand, geschah dies aus einer experimentellen Notwendigkeit heraus. Ludwig wollte die Wechselwirkung zwischen der äußeren Atmung und dem Blutkreislauf untersuchen und musste dazu Druckveränderungen der Arterien synchron mit denjenigen der Atmung aufzeichnen, wofür es bis zu seiner Erfindung keine Apparatur gab. Dass Ludwig mit dem Kymographion, dem Wellenschreiber, nicht nur der Physiologie, sondern auch vielen anderen Wissenschaften eine Registrierapparatur an die Hand gab, die diese weit über ein Jahrhundert für präzise quantitative Messungen nutzten, gereicht ihm weit über den Tod hinaus zur Ehre. Erst in den sechziger-siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wird das Kymographion nach und nach flächendeckend durch neuere Techniken ersetzt.

     

    Das Kymographion

    Ludwig-Baltzarsches Kymographion

    Wie Frank (1911, S.2) schreibt, haben "...Kymographien die Aufgabe zu erfüllen, eine Papierfläche mit gleichmäßiger Geschwindigkeit unter der Schreibspitze hindurchzubewegen". Was im Grundgedanken so einfach klingt, erwies sich in der feinmechanischen Praxis der damaligen Apparatetechnik als hochkomplexe Herausforderung: Zum einen musste der Vortrieb der für diese Aufgabe eingesetzen zylindrischen Registrierfläche mit höchster zeitlicher Präzision vonstatten gehen, aber dennoch flexibel einstellbar sei. Eingesetzt wurden hierzu verschiedene Antriebsmechanismen, wie fallende Gewichte, elektromagnetische Kräfte oder gespannte Federn in Uhrwerken, wobei sich letzteres weitgehend durchgesetzt hat. Zum anderen war selbst schon das gleichmäßige Berußen des Registrierpapiers keine leichte Aufgabe und schließlich musste die Schreibnadel, die zu messenden Veränderungen absolut analog in das Registrierpapier hineinkratzen.
    Angesichts der Vielzahl an Aufgaben, die an Kymographien gestellt wurden, wundert es nicht, dass immer wieder neue Typen mit verschiedenen Verbesserungen entwickelt wurden. Das in der 3D-Animation gezeigte Kymographion von 1906 der Firma Zimmermann aus Leipzig mit Foucaultschem Regulator, war in der Lage, die meisten Herausforderungen zu bewältigen. Es konnten unterschiedliche Umdrehungsgeschwindigkeiten eingestellt werden und die Schreibtrommel war sowohl im Veritikal- wie auch im Horizontalbetrieb jeweils mit rechts- beziehungsweise linksgängier Drehung zu benutzen.

    Armin Stock

    Literatur:

    Frank, O. (1911). Kymographien, Schreibhebel, Registriespiegel, Prinzipien der Registrierung. In: Robert Tigerstedt (Ed.). Handbuch der physiologischen Methodik, Erster Band: Allgemeine Methodik. Protisten, wirbellose Tiere, physikalische Chemie. Stoff- und Energiewechsel, Vierte Abteilung: Allgemeine Methodik II. 1-50. Leipzig: Hirzel.
    Zimmermann, E. (1903). XVIII. Preis-Liste über psychologische und physiologische Apparate.