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    Adolf-Würth-Center for the History of Psychology

    Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Gundlach (2009-2010)

    Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Gundlach (Foto: Armin Stock)

    Professor Dr. phil. Dr. phil. habil. Dr. h.c. Horst Gundlach, Dipl.-Psych.


    Horst Gundlach wurde 1944 in Merseburg auf die Welt gesetzt, zog im Sommer 1945 einen Tag vor Eintreffen der Roten Armee nach Hamburg, lernte Lesen, Schreiben und anderes auf der Gorch-Fock-Schule, besuchte das Christianeum, wurde dort in einer AG Psychologie mit den Schriftstellern Freud, Adler und Jung bekannt, wechselte aus familiären Gründen in der Unterprima auf das Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe, maturierte dort 1964 und zog zur nächstgelegenen Universität, Heidelberg, um Psychologie nebst Philosophie zu studieren. Der Zugang zur Psychologie war zwanglos, ein numerus clausus noch nicht angedacht, die seit 1941 vorgeschriebene persönliche Eignungseinschätzung durch den zuständigen Ordinarius, C. F. Graumann, soeben weggeräumt.
        Vor die Wahl zwischen alter und neuer Diplom-Prüfungsordnung gestellt, deren erstere eine Vordiplomsarbeit, deren zweite statt dessen eine Hauptdiplomsarbeit verlangte, entschied er sich nach Abwägung des vermutlichen Einsatzes für erstere. Aus den ohne Nennung des Betreuers offerierten Themen entschied er sich für eine begriffskritische Arbeit zum Terminus Frustration. Das Ergebnis seiner Mühen fand einen Nachklang in Ritters Historischem Wörterbuch der Philosophie. Nach der Vordiplomsprüfung 1967 wechselte er im Sommer an die Universität München, die er wegen grauenerregender Studienbedingungen  umgehend gegen Heidelberg tauschte. Dort erwarb er 1969 das Diplom. Zwecks Promotion widmete er sich erneut unter Betreuung Graumanns einem begriffskritischen Thema, diesmal dem Terminus Reiz, und wurde 1973 zum Dr. phil. promoviert.
        In den folgenden Jahren arbeitete er in verschiedenen Funktionen am Psychologischen Institut in Heidelberg. Wegweisend wurden 1977 durch Frank Hardesty angeregte Besuche einer Tagung der Gesellschaft Cheiron: The International Society for the History of Behavioral and Social Sciences in Boulder, Colorado, und der Archives of the History of American Psychology in Akron, Ohio. Inspirierend war 1978-1979 der einjährige Aufenthalt als Visiting Research Fellow am St. Anthony’s College in Oxford und die Besuche des dortigen Wellcome Institute für the History of Medicine. 1981 bis 1982 folgte Arbeit für das Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung in München. Im Sommer 1982 wurde er Gründungsmitglied der Gesellschaft Cheiron Europe, der heutigen European Society for the History of the Human Sciences, der er lange als Schatzmeister diente. Ende 1982 übernahm er eine Assistentenstelle am 1981 durch Werner Traxel gegründeten Institut für Geschichte der neueren Psychologie an der Universität Passau. 1988 wurde er Gründungsmitglied der Fachgruppe Geschichte der Psychologie, der er lange als Mitglied der Sprechergruppe und als Sprecher diente. 1989 wurde er mit einer Arbeit über Entstehung und Gegenstand der Psychophysik habilitiert.
        Nach der Emeritierung Traxels im selben Jahr wurde er mit der Leitung des Instituts für Geschichte der Psychologie beauftragt und setzte den Ausbau der historischen Sammlungen  der Archivbestände und wissenschaftlichen Nachlässe, Instrumente und Apparate, Tests, Literatur und Bild- und Tonträger aus dem Inland und Ausland fort. Wissenschaftliche Tagungen wurden  ausgerichtet, Internationale Gäste zu Forschungs- und Besichtigungszwecken empfangen, Ausstellungen zur Geschichte der Psychologie an unterschiedlichen Orten aufgebaut, Sammlungsstücke an Museen für Ausstellungen ausgeliehen, die Reihe der Passauer Schriften zur Psychologiegeschichte fortgesetzt, der Umzug des Instituts aus der Schustergasse in der Passauer Altstadt in die Leopoldstraße bewältigt.
        Nachdem ihm 2004 bekannt wurde, dass die Universität Passau infolge ihrer Strukturreformen beabsichtigte, das Institut nach seiner Pensionierung in nicht näher erläuterter Form abzuwickeln, setzte er sich für eine Umsiedelung an die Universität Würzburg ein. Dort wurde als Nachfolgeeinrichtung das Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie gegründet. 2008 wurde er an die Universität Würzburg versetzt, allerdings noch für ein Wintersemester an Passau ausgeliehen. So konnte in diesem Semester der Umzug der umfänglichen Sammlungen durchgeführt werden. Ab 2008 leitete er zusammen mit Armin Stock das Würzburger Zentrum. 2010 wurde er wegen Erreichung der Altersgrenze pensioniert. Seitdem lebt und forscht er wieder in Heidelberg.

    Link zur Liste seiner Veröffentlichungen

    horst.gundlach@uni-wuerzburg.de

    horst.gundlach@alumni.uni-heidelberg.de