Hermann von Helmholtz (1821-1894) - Ein Wegbereiter der Psychologie


Ausschnitt eines Augenhintergrunds

Nachbau eines Augenspiegels nach den Angaben v. Helmholtz (Foto: Sophie Daum, AWZ Würzburg)

Auch in diesem Jahr kann im Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie die Ausstellung über Hermann von Helmholtz besichtigt werden, die sich einem der bedeutenden Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts widmet.

Hermann von Helmholtz (1821-1894) wird von vielen Wissenschaften als einer ihrer Urväter angesehen. Nachhaltig hat er z.B. die Physiologie, Medizin und Physik inspiriert. Weit weniger bekannt ist, dass er auch einen großen Anteil an der Entstehung einer naturwissenschaftlich orientierten Psychologie hat und dies nicht nur, weil Wilhelm Wundt (1832-1920) viele Jahre sein Assistent an der Universität Heidelberg war.


Besonders auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie und der damit verbundenen Psychologie der Wahrnehmung hat v. Helmholtz Großes geleistet. Der 1850 von ihm erfundene Augenspiegel ermöglichte es ihm als ersten Menschen, einen Blick auf eine lebende Netzhaut zu werfen. Den Ophthalmologen gab er mit diesem Instrument ein Mittel an die Hand, um Erkrankungen der Netzhaut diagnostizieren zu können.


Die Frage, wie Menschen Farben wahrnehmen, beantwortete er durch eine Weiterentwicklung der Farbentheorie von Thomas Young (1773-1829). Helmholtz konnte zeigen, dass sich aus dem farbigen Licht der drei Primärfarben rot, grün und blau jede beliebige Farbe mischen lässt. Für das Auge nahm er deshalb drei Rezeptortypen an, die eine spezifische Empfindlichkeit für die drei Primärfarben haben und aus deren gemeinsamer Aktivität der Farbeindruck entsteht.


Auch das Sinnesorgan des Hörens untersuchte Helmholtz im Detail. Er konnte dabei die Schall verstärkende Wirkung des Trommelfells und der Gehörknöchelchen physikalisch aufklären. Darüber hinaus entwickelte er die Resonanztheorie der Tonhöhenwahrnehmung im Innenohr, die postuliert, dass spezifische Frequenzen an definierten Orten der Schnecke des Innenohres abgebildet werden (Ortstheorie). Bis heute gilt die Erkenntnis, dass die Tonhöhe an bestimmten Orten des Innenohres abgebildet wird, als korrekt, wenngleich der von v. Helmholtz angenommene Mechanismus der Resonanz im 20. Jahrhundert durch die Wanderwellentheorie Georg v. Békésys abgelöst wurde.


Von außerordentlich großer Bedeutung für die Psychologie war jedoch eine Arbeit, die v. Helmholtz ebenfalls 1850 veröffentlicht hat und in der es um die Vermessung der Nervenleitungsgeschwindigkeit geht. Bevor v. Helmholtz diese Messungen durchführte, ging man davon aus, dass die Nervenleitungsgeschwindigkeit der Lichtgeschwindigkeit entspricht und daher nicht messbar ist. Von Helmholtz konnte in seinen Versuchen zeigen, dass diese Annahme falsch ist und die Nerven Informationen bedeutend langsamer und auch messbar weiterleiten. Diese Erkenntnis begründet die große Bedeutung der Reaktionszeitexperimente in der Psychologie.


Unsere Ausstellung über Hermann von Helmholtz befasst sich mit der Biografie des bedeutenden Wissenschaftlers und den Bereichen des Hörens und Sehens. Zahlreiche Exponate aus der Sammlung des Zentrums, die direkten oder indirekten Bezug zu v. Helmholtz haben, können betrachtet werden.

Ab 7. Januar 2014 ist die Ausstellung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Armin Stock

Von: Armin Stock

20.12.2013, 13:50 Uhr